Hans H. Binder 1941 – 2013

Erinnerungen an turbulente 27 Jahre

„Ma hom mia a Hetz ghobt“, wenn Du das gesagt hast, habe ich gewusst, dass es Dir gut geht. Du warst einfach immer für Spaß zu haben. Das hat mich auch so an Dir fasziniert, als ich Dich 1985 kennengelernt habe. Es war bei Philips, Du warst dort zentraler Werbeleiter und ich war eine Quotenfrau – in Deiner Abteilung. Ernsthaftes Arbeiten und Lachen, das stand in keinem Widerspruch, sondern war Dogma. Als Du dann beim Konsum die Stelle des zentralen Werbeleiters übernommen hattest, war es dann schon etwas schwieriger mit dem Lachen. Zu viele Interessen, zu viel Ideologie und nicht besonders viel Professionalität. Aber Du hast es auch dort geschafft – und alle Lebensmittelketten haben Deine Idee der bedruckten Tragtaschen und gestalteten Lieferfahrzeuge übernommen und nachgemacht –mit aufgemaltem Obst, Gemüse, Fisch und Vielem mehr.

1995 war dann Dein Jahr. Der Konsum ist in den Konkurs gegangen und Du warst frei für die Kunst. Natürlich hast Du am Anfang unter dem Verlust des Arbeitsplatzes gelitten, aber schon gegen Ende des Jahres warst Du wieder bei der Arbeit, beim Malen und Zeichnen und natürlich auch beim Modellbau Deiner Schiffe.

1993, habe ich Dir das „nachhaltigste“ Geburtstagsgeschenk gemacht. Ich habe Dir eine Kurswoche „Radieren“ bei Christoph Donin* in Neumarkt/Raab geschenkt. Die Druckgraphik hat Dich dann nicht mehr losgelassen und Neumarkt auch nicht mehr. Jedes Jahr warst Du im Sommer dort.  Zuerst eine Woche, dann 2, dann 3 und mehr Wochen, bis Du im Jahr 2010 die Ölmühle als Dein Sommeratelier gemietet hast. Dort hast Du auch Radierung und experimentelles Aquarell unterrichtet, hast die Druckwerkstätte mitbetreut und die Neuankömmlinge am Sonntag eingewiesen. Dein Atelier war stets offen für alle – ob Sie nun Deine Bilder, Deine Objekte sehen oder auch nur die alte Mühle besichtigen wollten. In der Ölmühle sind auch nahezu alle Deine Objekte entstanden.

In Neumarkt warst Du am glücklichsten. Dort hast Du Deine kreativste und produktivste Zeit verbracht. Auf der Bank vor der Mühle bist Du immer gesessen und hast mit allen Vorbeikommenden geplaudert. Freunde hattest Du dort so viele, dass ich manchmal beinahe eifersüchtig war.

Krank warst Du natürlich auch. Deine Arterien waren schwer verkalkt aber die Kunst der Ärzte und Deine Kunst haben Dich nie verzweifeln lassen.

Als der Hubschrauber im Sommer 2011 bei der Mühle gelandet ist um Dich mit einer Sickerblutung ins AKH zu bringen warst Du Dorfgespräch – was Dich, wie hätte es anders sein können – sehr erheitert hat.

Und so bist Du auch gegangen, immer noch positiv und voller Ambitionen. Kein Gedanke an ein Ende.

Ich bin sicher, dass Du bei Deiner nächsten Ausstellung vorbeischauen wirst.

Christa, Deine Frau

Dezember 2013

*Christoph Donin (1930 Bregenz – 2013 Wien) studierte an der Akademie für angewandte Kunst in Wien bei Ceno Kosak und Druckgraphik bei Franz Herbert. Er war Künstler und einer der versiertesten Druckgraphiker Österreichs.